
Kunst ist eine Sprache jenseits der Worte – ein Ausdruck für das, was zu tief, zu komplex ist, um es in Sätzen zu fassen.
Schon meine Kindheit war geprägt, von der Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst. Mit einem Künstler als Vater habe ich früh gelernt, die Welt in Farben und Formen zu sehen und emotionale Phänomene in bildlicher Form auszudrücken. Im Studium der Psychologie und Islamwissenschaft, durfte ich mich intensiv mit der menschlichen Psyche, emotionaler Resilienz und den existenziellen und metaphysischen Fragen des Lebens auseinandersetzen. Als Kunsttherapeutin habe ich zudem mit Menschen mit Fluchterfahrung gearbeitet und dabei erlebt, welche Kraft künstlerischer Ausdruck haben kann, wenn Worte nicht ausreichen oder persönliche Erfahrungen nur schwer in Sprache gefasst werden können.
Diese beiden Welten – die Kunst und das Erleben der Menschen – sind für mich daher auf natürliche Weise untrennbar miteinander verbunden und in meiner Kunst möchte ich eine Brücke schaffen, zwischen innerer Erfahrung und der sichtbaren Welt, durch die Transformation von Gefühlswelten in Farben, Strukturen und Kompositionen.
Dabei geht es nicht primär um persönliche Reflexion, sondern vielmehr um eine universelle Dimension: Was gibt Menschen Halt? Wo finden sie Kraft? Welche inneren Ressourcen helfen, schwierige Phasen zu überstehen?
So möchte ich meine Werke nicht nur als Ausdruck individueller Emotionen verstanden wissen, sondern als Einladung an den Betrachter, sich mit den eigenen Erfahrungen und Empfindungen auseinanderzusetzen.
Da meine Werke in einem Spannungsfeld zwischen Trauma und Hoffnung, Zerbrechlichkeit und Stärke entstehen und dem Prozess der Traumabewältigung zur Resilienz entspringen, arbeite ich in meinem Oeuvre mit verschiedenen Motiven, Materialien und Farbkonsistenzen, die den jeweiligen Spiegelungsprozess bestmöglich unterstreichen.
In zarten Aquarelllandschaften spiegelt sich die Sehnsucht nach einer Heimat wider, die Ruhe, Sicherheit und Heilung verspricht, in der jedoch auch die traumatischen Empfindungen Spuren hinterlassen können.
Die abstrakten Acrylgemälde hingegen zeigen den inneren Kampf, die Fragmentierung des Selbst durch Trauma, aber auch die Kraft des Überlebens und die unerschütterliche Kraft der Zuversicht und Resilienz, die nur durch die düsteren Elemente ihre Entfaltung finden konnten.
Die Ölgemälde zeigen auf abstrakter Ebene den Prozess der Transformation von Hoffnung in neue Perspektiven, aber auch den Prozess der Heilung, entgegen aller Widerstände, der in Bewegung, Farbe und Struktur sichtbar wird. Besondere Lichtpunkte, Licht, das durch Risse scheint, Schichtungen und Tiefe strahlen eine langsame, aber kraftvolle Heilung aus.
Dabei ist das Ziel die Sichtbarmachung von Geschichten nicht in dokumentarischer Form, sondern als emotionale Reflexion. Ich versuche, die unsichtbaren Spuren von Erfahrungen auf die Leinwand zu bringen, Momente des Schmerzes ebenso wie jene der Hoffnung.
So ist meine Kunst ein Dialog zwischen Erfahrung und Ausdruck, zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. Sie soll nicht nur dokumentieren, sondern berühren, nicht nur erzählen, sondern spüren lassen.
